26.11.2016: Figurveränderungen sind wie eine Rolle Klopapier – oder: Neues von meinem Hintern

Fakten des Tages: – 24 Kilo.
Ich bin fassungslos. Überrascht. Erstaunt. Glücklich. Und habe Angst.

Irgendwie kommt es in meinem Kopf noch nicht an, dass ich keinen BMI von über 30 mehr habe, sondern von 22,8.

Und lange habe ich mich gewundert, wieso ich nichts von diesen Veränderungen sehe, spüre, fühle. Weder vor dem Spiegel nackt, noch beim Kleidungskauf noch sonstwo.

Und dann habe ich festgestellt:

Das ist wie bei einer Rolle Toilettenpapier. Ist sie neu und randvoll und man nimmt 10 Blätter weg, fällt das gar nicht auf.
Ist sie aber fast leer und man nimmt wieder 10 Blätter weg, fällt das deutlich auf.

Obwohl ja 10 Blätter nunmal 10 Blätter sind.

Ist halt prozentual gerechnet mehr. Aber da ich kein mathematischer Mensch bin, sind Prozentzahlen für mich etwas zu abstraktes. Aber dieser Klopapiervergleich, der ist für mich schön anschaulich.

Vielleicht seh ich ja bald was.
Wobei ich mich erstaunt ertappe, wie ich beim laufen in diese eine Schaufensterscheibe spinkse und meinen Hintern begutachte.
Der war schon immer echt ok. Hoch angesetzt, rund, knackig und fest.
Aber jetzt ist er kleiner, hoch angesetzt, rund, knackig und fest. 😀

Ich glaub, ich mag meinen Hintern!
Und dass ich das schreibe, ist irgendwie merkwürdig. Denn auch wenn ich ihn früher auch schon gut fand, hab ich immer meine Augen genannt. Weil, die waren ja nie übergewichtig, oder?
Die waren immer grün-bernstein.

Aber mein Po ist echt gut. Find ich.

Also bewege ich meinen Arsch weiter und hoffe, der restliche Körper folgt. 😉

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13.11.2016 Kleine Dinge, die mir aufgefallen sind – und vielleicht durchhalten helfen?

Manchmal sind es die klitzekleinen Dinge im Alltag, die im Kopf „Uuuiiiiii“ hervorrufen.

Mir ist vor kurzem eine Münze herunter gefallen. Und ich habe mich einfach gebückt und sie aufgehoben.

Klingt jetzt erstmal unspektakulär, oder? Ist es eigentlich auch. Aber: Während ich so in die Hocke ging, mein Zehnerle aufhob schoss mir der Gedanke durch den Kopf, dass ich es einfach so gemacht habe. Ganz normal. Und mir ist aufgefallen, dass mit meinem früheren, höheren Gewicht in der gleichen Situation, zeitgleich ganz andere Gedanken aufgetaucht sind. „Och nööö… / Muss das jetzt sein…. / Na priiiiimaaaa… / Auch das jetzt noch…“ So in die Richtung. Und ich wäre einen kleinen Schritt zurück getreten, hätte auf die Münze geguckt, die Hose ein wenig hochgezupft, wäre in die Hocke gegangen, hätte die Münze aufgehoben, die Hände auf die Oberschenkel gestützt und mich hochgedrückt.

Allein die Tatsache, dass ich jetzt schlicht runter, aufheben, hoch in einer einzigen Bewegung durchgeführt habe OHNE einen Gedanken dran zu verschwenden, war für mich irgendwie ein ziemlich beeindruckender Aha-Effekt.

Es war ja nicht so, dass ich mit 22 Kilos mehr Probleme im Alltag gehabt hätte. Nein, mir waren keine Stühle zu eng, ich passte durch alle Drehkreuze, Flugzeugsitze waren völlig ausreichend… Sprich, ich fühlte mich durch meine paar Kilos zuviel nicht eingeschränkt. Und im Vergleich zu Menschen im Bereich der noch höheren Adipositas war ich das ja auch nicht. Und ich hatte keine Vorstellung, wieviel schwerer mir doch solche Kleinigkeiten gefallen sind. Woher auch? Ich hatte ja keinen Vergleich.

Die Kilos kamen ja nicht über Nacht und haben mich angesprungen und sich auf meinen Hüften festgekrallt. Die habe ich mir ja schon grammweise in akribischer Kleinarbeit fleissig und stetig draufgefuttert. Und habe ich mich ja auch grammweise an die erhöhten Anforderungen gewöhnt.

Und das ist mir zum ersten Mal richtig klar geworden. An einem kleinen Zehncentstück.

Und je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr solcher Kleinigkeiten fallen mir auf.

Handy vergessen? Aus dem Auto, Treppe runter, Handy holen, Treppe hoch, aus. Kein innerliches Aufstöhnen „Och nöööö jetzt muss ich schon wieder die Treppe runter..“

Und daran sehe ich, dass mir viele, viele Dinge nun doch leichter fallen, als früher. Und dass ich doch eingeschränkt war. Auch wenn mir das bis vor wenigen Tagen gar nicht bewußt war. Da ging es schlicht um Optik.

Und das war so beeindruckend, dass ich hoffe, dass mir das eine Warnung sein wird, falls ich mich mal wieder in Disziplinlosigkeit verliere und zu viel esse, so dass die Waage wieder in die falsche Richtung ausschlägt.

Ist Euch sowas auch aufgefallen, ohne dass Ihr im Bereich „morbid adipös“ oder in ähnlich hohen Gewichtsbereichen vorher wart?

10.11.2016: Mein erstes Mal…

Tja, was gibts Altes und Neues?

Stand Gewicht: – 23 Kilo.
Ja, es hätte inzwischen noch ein Kilo mehr weniger (lustiger Satz *g*) sein können, aber mir kamen da einige Stücke Schokolade dazwischen. Mit Zimt. Und das, wo ich sonst kein Typ für Süßes bin, sondern eher bei Chips schwach werde. Aber bei Zimt kann ich nicht nein sagen.

Und dann kam es. Mein erstes Mal.

Ich hab mir vorher tage- und nächtelang Suchergebnisse im Internet herausgesucht, Videos geguckt, Foren gelesen…

Was zieht man an?
Was wird einen erwarten?
Wie wird der Partner / die Partner sein?
Werde ich mich völlig blamieren, weil ich das ja noch nie getan habe?
Werde ich es überhaupt über mich bringen?
Werde ich es schaffen?
Wird es weh tun?
Was gibt es für Schutzmöglichkeiten?

Und dann war ein Termin ausgemacht und die letzten Tage und Nächte davor hatte ich wirklich Muffensausen. Bin ein wenig mehr gewalked und glaufen, habe ein paar Crunches mehr gemacht, um meine Körper noch ein wenig in Form zu bringen, und dann war er da. Der Tag X.

Also nach der Arbeit heim, umziehen, Tasche schnappen, wieder ins Auto, die richtige Adresse suchen, Parkplatz finden, im Auto sitzen bleiben und erst noch ein wenig gucken und überlegen. Weil, noch wäre ja Zeit umzudrehen und sich eine plötzliche Migräne zu nehmen. Oder vielleicht doch eine OP am offenen Herzen ohne Narkose vornehmen zu lassen. Alles besser, als das, worauf ich mich da einlassen will.

Aber kneifen gilt nicht. Denn sein Leben umzustellen bedeutet nicht nur, abzunehmen. Es bedeutet auch, aus der eigenen Komfortzone herauszutreten und Dinge zu versuchen, die man noch nie gemacht hat, obwohl sie einen faszinieren. Obwohl man sie wirklich toll findet, wenn man sie von anderen hört, liest oder sieht.

Und es bedeutet auch, sich nicht weiter hinter der eigenen Scham zu verstecken. Meiner Scham ob meines Körpers. Ob meiner Unsportlichkeit, Untrainiertheit, der vielen Narben am Körper, der kaputten Gelenke, Sehnen und Bandscheiben. Der Unbeweglichkeit.
Es bedeutet, sich der Angst zu stellen, ausgelacht zu werden. Wieder gehänselt zu werden. Sich wieder so zu fühlen, als wäre man minderwertig, klein, dumm, ungeschickt, häßlich.

Also einatmen. Ausatmen. Autotür öffnen. Aussteigen. Tasche rausnehmen. Autotür schließen. Auto abschließen. Dann der Gang durch diese lange, dunkle Einfahrt. In einen Hinterhof. Rechtsrum? Linksrum? Keine Ahnung. Also linksrum. Verkehrt. Umdrehen. Doch lieber wieder zum Auto gehen? Weil, man findet ja die Eingangstür nicht.
Nein, also in die andere Richtung. Eine Tür. Innen Licht.

Einatmen. Ausatmen. Schlucken. Klopfen. Reingehen.

Und dann war es soweit:

Mein erstes Mal Krav Maga. 🙂 🙂 🙂

Und nein, ich bin nicht wie befürchtet, beim aufwärmen kollabiert.
Ich habe nicht vor Überanstrengung dem Trainer vor die Füße geko…
Ich habe nicht geweint.

Und es hat riesig Spass gemacht!
Ich bin jetzt Besitzerin eines Tiefschutzes.

Und ja, es hat verflixt weh getan. Hinterher. Heute ziehen die Muskeln ganz nett, aber erträglich. Morgen werde ich vermutlich heftigst leiden. Muskelkater kommt bei mir immer erst am zweiten Tag so richtig durch.

Und ich werde wieder hingehen. 🙂
Ich bin nämlich jetzt außer stolzer Besitzerin eines Tiefschutzes (ich wußte nichtmal, dass es sowas für Frauen gibt!) auch freudestrahlende Besitzerin einer 10er Karte. Da ich kein Typ für so dauerhafte Mitgliedschaften oder Vereinsdinger bin. Da zahl ich lieber etwas mehr, aber bin nicht gebunden.

Leute, hat DAS Spaß gemacht.